Letzte Reihe. Eine ältere Dame sitzt ganz links außen. Allein. Der Platz direkt rechts neben ihr ist frei — der einzige im ganzen Saal.
Ich war zwanzig Minuten zu spät. Hab mich hingesetzt. Der Saal in der TT-Redaktion knallvoll — über hundert Tickets ausverkauft, fünfzig Euro das Stück, Großteil Senior:innen. ahead x innsbruck.
Auf der Bühne: Marco Esposito, Marco Moosbrugger und Lukas Wagner. Zwei Stunden Reality-Check. Mit Humor serviert — stellenweise so hart, dass es sogar mich umgehauen hat.
ahead x innsbruck · voller Saal, TT-Redaktion · April 2026
In der Pause
Marco E. hat mich ihr als KI-Experten vorgestellt. Und dann kam alles raus.
Ihr neues Samsung hatte ungefragt ein ganzes Gespräch transkribiert. Sie wusste nicht mehr, was überhaupt noch privat ist. Am Ende der Show hat sie sich dann zu mir gedreht (sie saß links neben mir) und mich gefragt: „Aber machen die das alles?" Mit einer kleinen Handbewegung Richtung Bühne.
Ich musste ihr versichern, dass Lukas und die beiden Marcos zu den Guten gehören. Dass es nicht sie sind, die ihre Daten verkaufen. Dass das die anderen sind — die Großen, weit weg, jenseits des Atlantiks.
Ehrlich gesagt: sie ist mir nachgegangen.
„Eine Aufklärungs-Show mit hundert Tickets ist grandios. Aber wer fängt danach die Dame aus der letzten Reihe auf?"
Wer beantwortet ihre dritte Frage, eine Woche später, beim Kaffee?
Das ist kein Bühnen-Job. Das ist Nachbarschaft.
Und sie ist nicht allein.
Bei KINN#19 sagt es ein Geschäftsführer, der seit dreißig Jahren seine Branche führt — nur leiser: „Ich komm da nicht mehr mit."
Beim WIFI-Kurs eine Apothekerin: „Mein Sohn ist vierzehn. Er schickt mir Videos, bei denen ich nicht mehr weiß, ob der Mensch darin echt ist."
Bei KINN#21 ein Student am Innrain: „Ich soll das alles lernen. Aber wozu, wenn die Maschine es in drei Jahren eh besser kann?"
AI Fatigue. Bei Älteren. Bei Jüngeren. Bei uns selbst. Keiner kann sagen, wo das in einem Jahr steht. Nicht mal die, die es bauen.
Womit sie ringen
DeepFakes. Der EU AI Act.Urheberrecht. Das Tempo der Entwicklung. Haftung im Betrieb. Datenschutz für Kund:innen. Und die leise Frage, die alles bündelt: „Bin ich schon abgehängt?"
Verunsicherung hat viele Gesichter. Eine gemeinsame Grundmelodie: „Wer hilft mir da durch?"
Sicherheit entsteht nicht durch eine Schulung. Sie entsteht durch Nachbarschaft.
Deshalb kommt jetzt kein Buildathon-Bericht. Sondern erst ein Starter-Kit gegen das Alleinsein mit KI — vier Einstiege für vier Situationen.
02 · Erste Hilfe KI
Ein Starter-Kit gegen das Alleinsein.
Vier Einstiege. Vier Nachbartische.
Wir haben vier Wochen zugehört. An den Tischen, beim Kaffee, nach den Shows. Hier ist, was wir weiterreichen: für jede Situation ein konkreter nächster Schritt — und ein Mensch, der dich kennt.
Für Senior:innen
„Ich will nichts kaputt machen."
Der Nachbartisch am Campus. Donnerstag, 8:00, Kaffee inklusive. Keine Vorkenntnisse, kein Programm — nur Menschen, die dieselben Fragen haben wie du. 18 bis 98.
Und wenn du's vertiefen willst: ich unterrichte den KI-Führerschein am WIFI Tirol. Sechs Abende, alle Branchen oder einfach nur privat. Da sitzen dieselben Fragen am Tisch — nur mit mehr Zeit.
„Was, wenn bei uns jemand auf einen Anruf reinfällt?"
Deepfake-Kompass. Ein Codewort mit Partner:in, Eltern, Kindern — ein Satz, den keine KI kennt. Plus: die drei Fragen, die 80 % aller synthetischen Anrufe auffliegen lassen, bevor Geld überwiesen wird. Fünf Minuten am Esstisch. Schützt das Konto, den Kopf — und Oma.
KINN-Tischrunde · Donnerstag 8:00. 35 Menschen, ein Raum, eine Stunde. Echte Fälle aus der Firma — nicht Theorie, sondern was letzte Woche nicht geklappt hat.
„KINN kommt zu euch." Wir packen die Tischrunde ein und setzen sie in euer Haus, euer Café, euren Gemeindesaal. Tisch-Transkription, Ergebnisse binnen 24 Stunden zurück an alle.
Das ersetzt keine Schulung. Das ist die Hand, die jemand in der Pause reicht — damit du weißt: du bist nicht allein.
03 · Rückblick · KW 13 – 16
Vier Wochen im Zeitraffer
KW 13 – 16 · sechs Räume · ein roter Faden
KW 13 · 23.–29. März
B#ONE Buildathon & TALK Summit
43 Leute, 10 Teams, 10 klickbare Prototypen — null Zeilen Code. Eine Geschäftsführerin, die noch nie eine IDE gesehen hat, pitcht eine Bergrettungs-App. Parallel: 28 KINNer beim TALK Summit in der WKO, vier parallele Themengruppen.
KW 14 · 30. März – 5. April
Relaunch, MatchMaking & Kufstein eigenständig
kinn.at neu: TALK und KURS nur noch für KINNer, Themenvoting im Anmeldeprozess. KINN#19 mit KI-MatchMaking-Debut — und erstmals eigenständig in Kufstein, zeitgleich mit Innsbruck. Der KINNKAT-Aprilscherz: 2.889 Impressions.
KW 15 · 6.–12. April
Kramsach & neue Formate
KINN#20 im Museum Tiroler Bauernhöfe — erste Ausgabe im Unterland außerhalb Kufstein, 35 Teilnehmer. Neue Location für KINN#22 gescoutet. WIFI KI-Führerschein gestartet. Automatisierter Feedback-Prozess produktiv: über 50 % Rücklauf bei Top-Ratings.
KW 16 · 13.–18. April
Uni-Debut & Podcast
KINN#21 im CCB Café — erste Uni-Location am Innrain, 28 Anmeldungen, nur 2 Restplätze. Podcast-Aufnahme mit Robert Pacher. „Die Uni schläft"-Post mit 1.202 Impressions. Und Thomas packt für die Bundesbühne in Wien.
Drei Momente, die hängen bleiben
Zehn Apps in fünf Stunden
Beim B#ONE haben 43 Menschen mit Lovable, Claude und ChatGPT zehn funktionierende Prototypen gebaut. "KI-fähig" wurde entkoppelt von "programmieren können".
Ein Bauernhof als KI-Location
KINN#20 im Museum Tiroler Bauernhöfe: Holzböden, Almkräuter, 35 Menschen. Auf der Heimfahrt entstand das Format "KINN kommt zu euch".
Kufstein, eigenständig
KW 14: Innsbruck und Kufstein laufen erstmals zeitgleich. Thomas ist nicht vor Ort — und es funktioniert. Chapter-Struktur bestanden.
Zwei Restplätze für die Uni
Die erste KINN-Ausgabe in einer Uni-Location war in vier Tagen fast ausgebucht. Die Frage ist nicht mehr ob Hochschulen an der Reihe sind — sondern wer zuerst reagiert.
Der beste Post des Monats war ein Aprilscherz (2.889 Impressions, KINNKAT). Sagt weniger über Algorithmen — und mehr darüber, dass Community-Humor Reichweite produziert, die keine Anzeige je erreicht.
„Es funktioniert, wenn Thomas nicht im Raum ist."
— Das entscheidende Learning aus KW 14. Kufstein läuft jetzt eigenständig (Désirée), Marco hat Chapter Lead IBK bestanden, Verena moderiert und macht Presse.
Im Hintergrund wurde es leichter, eine KINN-Runde zu schmeißen: die kinn.at/host-App (Check-in, Tischzuweisung), NFC-Tischaufsteller und ein automatischer Feedback-Loop — Gruppenfoto online, Feedback-Mail 10 Minuten nach dem Event. Rücklauf: über 50 % mit Top-Ratings.
05 · Event im Fokus
Buildathon #2
Lokale Probleme, smarte Lösungen · WIFI Tirol
WIFI Innsbruck · Lernbar
Lokale Probleme, smarte Lösungen.
Tools bauen mit KI — ohne eine Zeile Code.
10Teams
5hBauzeit
1Ziel
0Vorkenntnisse
Beim ersten Buildathon haben 43 Menschen in fünf Stunden zehn Apps gebaut. Für #2 öffnen wir 50 Plätze — und bleiben dabei: keine Vorkenntnisse nötig.
Gebaut wird mit Lovable — du erzählst, das Tool baut. Dein Team moderiert, diskutiert, pitcht.
Plätze limitiert · Anmeldungen werden geprüft, damit die Teams divers bleiben (Branche, Alter, Erfahrung). Kostenlos.
06 · Kommend
Jeden Donnerstag. 8 Uhr. Tirol.
KINN-Tischrunden + KI-Events aus der Nachbarschaft
Wir bewerben bewusst auch Termine anderer Veranstalter — die ganze KI-Szene in Westösterreich wird sichtbarer.
Alle aktuellen Termine auf kinn.at. Du musst nicht alleine sein mit KI. Die Nachbarschaft ist größer geworden — und sie wird weiter wachsen.
Und ehrlich gesagt: es tut fast ein bisschen weh, dass wir mit einem Format wie KINN so allein sind. Andere KI-Stammtische versanden nach zwei Abenden — als Experten-Show aufgesetzt, reine Upskilling-Maschinen. Ohne sozialen Aspekt.
Und wir sind nicht die Einzigen, die das sehen. Eine Kollegin von Women in AI Steiermark hat am Panel erzählt: offenes Austausch-Format probiert, „einfach kommen" — drei Leute kamen, schauten sich ratlos an, dort blieb es. Ohne Themen-Tisch und Moderation entsteht kein Gespräch.
Wir glauben: der Bedarf an Nachbarschaft wird um ein Vielfaches größer.
BMIMI Mobilitätskonferenz · Wien · 20. April 2026
Darum: KINN kommt zu euch.
Zwischen Kramsach und Innsbruck haben Thomas, Stefan und Marco die nächste Iteration durchgespielt: Was wäre, wenn KINN nicht mehr eine Location hat — sondern zur Location wird? Show & Tell als Format, der Ort als Marketing-Maschine, Tisch-Transkription per Fireflies, Ergebnisse in 24 Stunden an alle Teilnehmer zurück.
Wenn du bei dir — im Unternehmen, in der Gemeinde, im Team — eine KINN-Runde ausrichten willst: schreib uns. Wir planen gerade die ersten Pilot-Runden.
Wir hoffen, dass KI irgendwann das tut, was sie verspricht. Dass sie die anstrengenden Dinge übernimmt, die die Welt am Laufen halten. Dass wir dann wieder Zeit haben — ohne Handy, ohne Dashboard, ohne Push.
Mehr mit der Familie. Mehr mit den Kindern. Mehr mit uns selbst.
Vielleicht ist das utopisch. Vielleicht nicht.
Bis dahin: du musst nicht alleine sein mit KI.
Wir sind da. Jeden Donnerstag, acht Uhr, an einem anderen Tisch in Tirol.
PS
Die Dame aus der letzten Reihe hat eine Einladung bekommen. Wenn sie an deinem Tisch sitzt: hör ihr zu.